Home-Office als Chance für die Stärkung von Familienverbundenheit und Umverteilung der „Sorgearbeit“?

Beate Bender

Denkbar wäre, dass das sogenannte „abgehängte“ Land wieder attraktiv wird für junge Familien, die für einen Job in die Ballungsräume in teils sehr beengte Wohnverhältnisse, teils ohne Balkon, geschweige denn einen Garten,  zogen und ihre Familien im ländlichen Raum verlassen haben.
Wer zukünftig vielleicht nur noch zweimal in der Woche in die Stadt zu seiner Firma muss, überlegt es sich eventuell,  ein ruhigeres und vor allem günstigeres Leben dort führen zu wollen, wo Großeltern sich aufgrund der Nähe für die Enkelkinder in die Versorgung einbringen können und sich später die Töchter und Söhne gleichermaßen um die älter werdenden Eltern kümmern könnten, ohne dass sie in ein Seniorenheim müssen. Kleine Hilfestellungen des Alltages, wie Einkaufen, Arztbesuche müssten nicht mehr in fremde Hände gegeben werden und das schlechte Gewissen, das alles nicht für seine Eltern leisten zu können, weil man zu weit weg wohnt, entfiele.

Ich beobachte eine weitere schöne Entwicklung:

Ich sehe seit März keine gestressten Mütter mehr, die kurz vor der Arbeit die Kinder noch in den Kindergarten bringen müssen, ich sehe entspannte Eltern, die das zu zweit machen, Väter, die das alleine machen. Väter, die die sogenannte Sorgearbeit mit übernehmen und das mit Freude, weil ihnen Homeoffice diese Chance gibt. Keinen Karriereknick, weil sich Väter um ihre Kinder kümmern.

Allerdings haben Frauen in dieser Zeit das große Nachsehen. Ihr beruflicher Arbeitstag beginnt oft erst in den Abendstunden, wenn die Kinder im Bett sind. Homeschooling, Essen zubereiten, Bespaßen – alles Aufgaben, die bei den Müttern liegen.

Selbstverständlich darf der Mann im Arbeitszimmer am Schreibtisch Platz nehmen, weil er den vermeintlich wichtigeren Job hat, er der „Haupternährer“ ist. Während Frauen während der Familienarbeit oft in Teilzeit arbeiten und mit viel Glück im Anschluss einen Vollzeit job ergattern können, werden sie bis zum Rentenalter gehaltsmäßig ihren durchgestarteten Männern hinterherhinken. Diese Spirale setzt sich bereits im Kreisssaal in Gang.

 

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Gesellschaft den Frauen, die Familienarbeit leisten, ein Gehalt und einen Betrag in ihr Rentenkonto zahlen. Nur so würde Altersarmut bekämpft, von der Frauen überwiegend betroffen sind!

Die sehr gute Leistung der SPD, die Einführung der Grundrente, würde hierdurch wirkungsvoll ergänzt werden.

Vielleicht ist auch eine Veränderung in Gang gesetzt worden, dass zukünftig beide Elternteile Sorgearbeit leisten können,  ohne finanzielle Einbußen zu erleiden .

 

Beate Bender

Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) Bad Vilbel